Inhalt

Geschichte der Gemeinde Taufkirchen (Vils)

Die Anfänge

Die ersten Spuren von durchziehenden Menschen im Taufkirchner Raum führen bis in das Neolitikum, das heißt in die Zeit um 2000 v. Chr. zurück. Dies konnte durch den Fund einer schnurkeramischen Streitaxt in Breitenweiher belegt werden.

Aus der Bronzezeit (1500 v. Chr.) stammen die imposanten Grabhügel bei Breitenweiher und Waxenberg.

Ungewiss ist es, wann der Ort Taufkirchen erstmals besiedelt wurde. Einige Anzeichen deuten aber durchaus darauf hin, dass schon in vorchristlicher Zeit hier Menschen lebten.

Nachgewiesen ist eine Römerstraße, die von Pfaffenhofen bei Rosenheim über Haag und Großkatzbach bis Weg führte und dann etwa über Moosen, Hubenstein, Wambach bis Landshut und Regensburg verlief.

Nach oben


Ortsgründung

Eine rege Besiedelung unserer Heimat setzte in der bajuwarischen Zeit ein, worauf eine Reihe von Orten, die mit "ing" enden hinweisen. Aus dieser Zeit stammen auch die 1913 in Aham gefundenen Reihengräber. Die tatsächliche Gründung Taufkirchens dürfte in das 7. und 8. Jahrhundert, also in die Zeit der Christianisierung fallen. Wahrscheinlich wurde nahe der Vils eine – sicherlich hölzerne – Taufkirche gebaut, die einem Freiengeschlecht und dem späteren Ort den Namen gab.

Zur damaligen Zeit gehörte Taufkirchen zur alten Pfarrei Moosen, die bereits 769 unter Herzog Tassilo erstmals erwähnt wird. Während dieser Zeit hatte Taufkirchen nur das Taufrecht. Erst 1263 ist in einem Streit mit Moosen die Taufkirchner Kirche als Pfarrkirche genannt.

Das Freiengeschlecht der Edlen "de taufkirchen" lässt sich bis ins 13. Jahrhundert nachweisen. Nach 1263 finden wir keinen urkundlichen Nachweis der Edlen von Taufkirchen mehr.

Nach oben


Das Schloss als Entwicklungskern

Das Schloss Taufkirchen wird um 1263 ausdrücklich erwähnt und bildet fortan die Kernzelle, aus der sich der Ort entwickelte. Die jeweiligen Schlossherren waren die Grund- und Gerichtsherren unserer Heimat und der nächsten Umgebung. Da ihr Grundbesitz oder jeweilige "Hoff" von kleinen, trichterförmigen Gruben, den "Marchgruben" begrenzt (= markiert) wurde, hieß er Hofmark, weshalb noch unsere Eltern unseren Ort "Hofmark Taufkirchen" nannten.

Ab 1377 kamen die Herren von Fraunberg als Besitzer von Taufkirchen vor. Im Heiligen Jahr 1500 durchzogen viele Pilger auf ihrer Romreise auch Taufkirchner Gebiet, was aus der Straßenkarte von Erhard Etzlaub aus diesem Jahr hervorgehen dürfte.

Im Jahre 1522 kam Ladislaus von Fraunberg aus der Haager Linie in den Besitz von Taufkirchen. Mit ihm brachen auch die Wirrnisse und Unruhen der Glaubensspaltung über unseren Ort herein. Um sich die Mittel für seine glänzende Hochzeit zu verschaffen, verkaufte er 1554 Schloss und Hofmark für 41.000 Gulden an den Kaufmann Hans Jakob Fugger.

Das Wasserschloss Taufkirchen (Vils)

Das Wasserschloss Taufkirchen (Vils)

Nach oben


Die Zeit der Fugger

Von da an bis 1672 herrschten die Grafen Fugger in Taufkirchen. Sie setzten alles wieder in einen guten Zustand und Hans Jakob Fugger ließ einen Zwinger um das Schloss errichten, durch den man sich im Kriegsfall verteidigen konnte. Der Altar in der Schlosskapelle trägt auch ihr Wappen. 1609 wurde erstmals ein "Schulmeister" am Ort erwähnt.

Unter den Fuggern kam eine schwere Zeit über Taufkirchen, insbesondere während des 30jährigen Krieges. Am 13. Mai 1632 fielen die Schweden in Taufkirchen ein und im Jahre 1633 waren die Kaiserlichen im Ort. 1634 kamen wieder die Schweden und besetzten bis 1648 abwechselnd mit den Franzosen die Gegend.
Das Bräuhaus wurde 1642 während der Fuggerherrschaft gebaut.

Nach oben


Die Herrschaft der Freiherrn von Puech

Durch die wiederholten kriegerischen Ereignisse wurde das Vermögen der Fugger in Anspruch genommen und das Schloss musste 1658 an den Reichsfreiherrn Ferdinand von Puech zwangsversteigert werden.

Die Freiherrn von Puech herrschten als Schlossbesitzer von 1672 bis 1723 in Taufkirchen. Baron Adam von Puech erweiterte die Hofmark um die Orte Frauenvils, Aham, Schaffhausen, Reckenbach, Eldering, Adlberg, Heldering, Stadl, Wegmann, Kirchlern. Nachdem nun auch Adlberg zu seiner Hofmark gehörte, verlegte Adam von Puech kurzerhand den Adlberger Markt nach Taufkirchen. Adam von Puech starb im Jahre 1722 kinderlos; in der Folgezeit wechselten die Besitzverhältnisse für das Schloss und die zugehörigen Güter recht häufig.

Nach oben


Schloss Taufkirchen als Wirtschaftsfaktor

Jahrhundertelang war das Schloss auch der wirtschaftliche Mittelpunkt des Ortes, was auch aus den beiden von Kupferstecher Wening 1699 angefertigten Ansichten vom Schloss Taufkirchen hervorgeht. Die meisten Ortsbewohner arbeiteten als Knechte, Mägde, Taglöhner und Handwerker bei der Herrschaft. Über eigene Höfe und Werkstätten verfügten sie aber nicht.

Nach oben


Die „Neuzeit“ Taufkirchens

In der von Archivar Ludwig Tafelmayer erstellten, umfassenden Chronik von Taufkirchen(Vils) ist das Jahr 1848 besonders erwähnt: "In diesem Jahr wurde die Leibeigenschaft aufgehoben, Handwerk und Gewerbe konnten sich frei entfalten und eine rege Bautätigkeit setzte ein".

Die Siedlung, die vorher vom Schloss und seinen Besitzern beherrscht wurde, erlebte in dieser Zeit ihre bürgerliche Geburtsstunde und den Beginn wirtschaftlichen Aufschwungs.

Dazu einige geschichtliche Notizen:

  • 1847 wurde die erste Posthalterei errichtet.
  • Bis 1890 besaß Taufkirchen eine herrliche Kirche mit einem Oktogonbau und einer reichen Ausstattung. In jenem Jahr wurde sie abgebrochen. An gleicher Stelle errichtete man die heutige Pfarrkirche, die 1893 eingeweiht wurde.
  • Ein weiterer Meilenstein war am 24. Dezember 1898 mit der Eröffnung der Zugverbindung von Dorfen über Taufkirchen(Vils) nach Velden erreicht.
  • Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren im Taufkirchener Raum noch strohbedeckte Häuser bekannt.
  • Im Ort befanden sich früher zwei Zollstellen, eine davon mit einem Falltor.
  • 1910 wurde der alte gotische Salzstadel – auch Tanzhaus genannt –, der am Markplatz stand, abgebrochen.
  • Am 19. Juli 1917 gründeten Taufkirchener Bürger eine Genossenschaft und kauften das Schloss mit 800 Tagwerk Grund und der Brauerei. Die Brauerei und 180 Tagwerk bewirtschaftete die Genossenschaft weiter, während der Rest der Grundstücke an Bauern und Bürger verkauft wurde.
  • Der Landesarmenverband kaufte 1919 davon das Schloss mit Nebengebäuden und 200 Tagwerk Grund mit dem Ziel, eine Anstalt für fürsorgebedürftige Personen zu errichten. Am 5. Dezember 1919 brannte der Westflügel des Schlosses ab.
  • 1919 hielt auch der elektrische Strom Einzug in die Haushalte des Ortes, 13 Jahre später wurde mit dem Ausbau der Wasserleitungen begonnen.

Nach oben


Wirtschaftliche Blüte nach dem Zweiten Weltkrieg

1939 war Taufkirchen(Vils) mit 1.765 Einwohnern noch eine Ortschaft mit eher geringer Bedeutung im Landkreis. Das änderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg. Viele Gewerbebetriebe wurden gegründet, darunter eine Weberei, eine Weißbierbrauerei, eine Wurst- und eine Schuhfabrik. Diese Aktivitäten, unterstützt von einem starken Zuzug von Heimatvertriebenen, vor allem aber der Aufbau des Polstermöbelwerks Himolla führten zu einem ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung. Auch die Bevölkerungszahlen machten dies deutlich: 1970 waren bereits mehr als 5.000 Einwohner gemeldet.

Dem Werksgründer und Taufkirchener Ehrenbürger Carl Hierl verdankt der Ort zu großen Teilen seine wirtschaftliche Blüte in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts und die Entwicklung zu einem Unterzentrum für die Region.

Nach oben


Archiv des Rathauses

Die hier dargestellte Geschichte Taufkirchens stellt nur einen Überblick über die wichtigsten historischen Ereignisse dar. Sie ist Auszug einer umfassenden Chronik, die von Ludwig Tafelmayer stammt. Er war es auch, der in akribischer Kleinarbeit eine einmalige Sammlung historischer Zeitzeugnisse zusammenstellte und seit seinem Tod 2007 von Hans Jell bis heute gepflegt wird.

Nach oben


Das Taufkirchener Gemeindewappen

Wappen der Gemeinde Taufkirchen (Vils)

Eine silberne Kapelle in romanischem Baustil auf blauem Grund beherrscht das Wappen Taufkirchens. Der obere Teil, der so genannte Schildhaupt, ist rot, der in der Mitte aufgelegte Pfahl silbern.

Die beiden markanten Wappenteile beziehen sich auf die frühe Bedeutung des Flussüberganges an der Vils. Die romanische Taufkapelle (Baptisterium) ist im Wappen in sehr guter Form wiedergegeben. Die Abbildung als edler, wohlgeformter Rundbau der Romanik zeigt in der Großartigkeit ihrer Architektur klar an, dass diese Taufstätte im Vilstal eine erhebliche Bedeutung besessen haben muss. Die Kapelle blieb laut der geschichtlichen Überlieferungen bis zum Jahre 1890 erhalten.

Der obere Teil, der silberne Pfahl auf rotem Grund, symbolisiert das Stammwappen der Fraunberger, die schon vor 1300 und dann wieder von 1486 bis 1554 Schloss- und Hofmarksherren in Taufkirchen (Vils) waren. Zusammenhänge sind hier mit dem Stammwappen der Taufkirchner zu Gutenburg zweifelsfrei zu erkennen. Bereits im zwölften Jahrhundert wird von einer adeligen Familie „Taufkirchen“ berichtet. Hierbei handelt es sich um wittelsbachische Ministerialen, die wohl an dem wichtigsten Überwachungspunkt an der Vils Kontrollaufgaben erfüllten.
Das Bayerische Staatsministerium des Innern stimmte am 8.3.1954 der Annahme des Wappens zu. Entwurf des Wappens: Emil Werz, München

Nach oben Drucken